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| Syrische Ärzte in Deutschland

Informationstag zur Arbeitsmarktintegration von medizinischem Personal aus Syrien in Deutschland

Berlin – An der Charité Universitätsmedizin Berlin fand am Samstag, 13. Oktober, ein Informationstag zur Arbeitsmarktintegration von medizinischem Personal aus Syrien in Deutschland statt. Veranstaltet wurde dieser von Prof. Dr. Annabelle Böttcher (Center for Middle East Studies, Syddansk Universitet, Odense, Dänemark), Prof. Dr. Angela M. Kaindl (Klinik für Pädiatrie m.S. Neurologie und Sozialpädiatrisches Zentrum Charité Universitätsmedizin Berlin), Henriette Raddatz (Sozialpädiatrisches Zentrum Charité Universitätsmedizin Berlin) und MD Ahmad Tarakji (Syrian American Medical Society – SAMS).

Ziel dieses Infotags war es, in Deutschland niedergelassenen Vertretern medizinischer Berufe, Experten und neu angekommenen medizinischen Fachkräften aus Syrien ein Forum des Kennenlernens, des Austausches sowie der Vernetzung zu bieten. Dabei wurde in drei Panels aus unterschiedlichen Perspektiven über Herausforderungen der interkulturellen und interprofessionellen Kompetenz und Erfahrungen der Arbeitsmarktintegration von syrischem medizinischen Pflegepersonal in Deutschland berichtet und auch diskutiert. Zwei Vertreter der Freiburg International Academy (FIA) nahmen an der von der Robert-Bosch-Stiftung und Bertelsmann Stiftung geförderten Veranstaltung ebenso teil.

Eine Einführung zu syrischem medizinisches Personal in Deutschland gaben Prof. Dr. Annabelle Böttcher und Faisal Shehadeh. In ihren Vorträgen stellten sie unter anderem die Wichtigkeit von Internetplattformen vor, in welchen sich Mediziner über alle relevanten Themen, wie zum Beispiel Fragen zu Approbation, Kenntnisprüfung, Qualifizierungsangebote, berufliche Integration etc., austauschen können.

Über verschiedenen Berufsfelder, in denen ausländische Gesundheits- und Pflegefachkräfte tätig sein können, ging es in den Beiträgen von Theresa Berthold (Ärzte-ohne-Grenzen, Berlin), Dr. Annette Lauber (Robert-Bosch-Krankenhaus, Stuttgart) und Abeer Faleh sowie Mohamad Ali-Sahyoun, die aktuell eine Ausbildung am Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart zum Gesundheits-und Krankenpfleger absolvieren.

Am Nachmittag berichteten Henriette Raddatz, Dr. Ute Siebert, Ahmad Alhzzouri, Nisreen Sarhan und Ahmad Molla Ali über ihre Erfahrungen aus dem Berufsalltag in Deutschland.

Die Neurochirurgin Nisreen Sarhan erzählte wie sie 2015 aus Syrien nach Deutschland und letztendlich nach Freiburg gekommen ist. Von Anfang an wollte sie als Ärztin arbeiten. Dabei war zunächst die Sprache die größte Herausforderung für sie. Doch in Eigenregie und mit viel Disziplin hat die junge Frau innerhalb von nur sechs Monaten Deutsch gelernt und die Fachsprachprüfung bestanden. Auf die zur Erlangung der deutschen Approbation notwendige Kenntnisprüfung wollte sie sich optimal vorbereiten und hat daher im Jahr 2016 das Qualifizierungsprogramm der FIA in Anspruch genommen. Am 13. April 2017 war es soweit und sie konnte die Prüfung ablegen, die sie erfolgreich bestand. Seither arbeitet die 27-jährige Ärztin in einer Klinik in Thüringen.

Zum Abschluss der Veranstaltung sprach Ahmad Tarakji von SAMS sich dafür aus, dass die Webseiten der medizinischen Gruppierungen politisch neutral bleiben müssen, ein reger Austausch jedoch allen Beteiligten helfen kann, um die Situation für ausländisches medizinisches Personal zu erleichtern.

In den Vorträgen und Diskussionen wurde einmal mehr deutlich, dass die größte Hürde für ausländische Ärztinnen und Ärzte die föderalistische Uneinheitlichkeit darstellt. Sowohl die internationalen Mediziner als auch die Vertreter von Kliniken, Bildungseinrichtungen und medizinischer Berufe plädierten für einen einheitlichen Anerkennungsprozess. Bisher hat jedes Bundesland seine eigenen Kriterien und auch unterschiedliche Wartezeiten bis zu den Prüfungsterminen. Für die Ratsuchenden ist es schwierig zu verstehen, was sie leisten müssen, um die deutsche Approbation zu erlangen, erklärte eine Veranstaltungsteilnehmerin. Es gäbe viele Hürden, die nicht auf den ersten Blick erkennbar seien. Der Wunsch nach einer transparenten, bundesweit einheitlichen Lösung ist daher groß. Ebenso hilfreich wäre eine zentrale Webseite, auf der klar und verständlich aufgeführt ist, was wann und wie in welchem Bundesland erbracht werden muss, merkte ein weiterer Teilnehmer an. Per Gesetz gibt es ein bundeseinheitliches Verfahren. Probleme entstünden dann, wenn von diesem Verfahren abgewichen wird.

Einige Veranstaltungsteilnehmenden regten an, dass es sinnvoll wäre, wenn es für ausländisches medizinisches Personal, die bereits im Berufsleben sind, eine Art Begleitprogramme geben würde. Diese Programme sollten speziell auf die Herausforderungen des Klinikalltags eingehen und Hilfestellungen bieten. So würde die Integration auch schneller gelingen.

Fazit des Informationstags war, dass ein großer Bedarf an Transparenz und Kommunikation besteht. Denn ohne Klarheit, wie die ausländischen Gesundheitsfachkräfte ihre Approbation erlangen können, geht viel Potenzial verloren, welches dem deutschen Gesundheitswesen jedoch helfen würde, um dem Ärztemangel entgegenzuwirken, so die Meinung eines syrischen Arztes.

 

Text: Barbara Meyer